Frauenquote, meeto oder jetzt erst recht!

Vierzehn Augenpaare schauen mich irritiert, ungläubig, fassungslos aber auch fordernd an. In den Augen erkenne ich teils Unverständnis, Wut, Angst aber auch Lust und Bewunderung. Stimmt etwas an mir nicht? Passt mein Anzug nicht oder sitzt gar meine Frisur schief? Zwei gierig blickende Augenpaare leicht links von mir emp­finde ich schon als sexuelle Belästigung. Von Kopf bis Fuß werde ich gemustert, Blicke konzentrieren sich vermehrt auf meine Figur und hey, auch auf meinen Genitalbereich. Nun gut, innerlich muss ich grinsen, denn ich weiß, dass ich ei­nen tollen Body habe. Ich tue ja auch was dafür. Ich gehe regelmäßig joggen, besuche mindestens dreimal die Woche das Fitness-Studio und pflege meinen Körper mit langen Schaumbädern, Saunagängen und Arganöl. Wenn ich so in die Runde schaue, die zum Teil übergewichtigen, unästhe­tisch wirkenden Körper sehe, würde das einigen von denen auch nicht schaden. Sich einfach mal etwas mehr bewegen, anstatt sich vom Chauffeur ins Büro fahren zu lassen. Viele von den Anwesenden leiden wohl unter akuter Bewe­gungsangst. Das ist offensichtlich.

Nun geht’s los. Die Vorstandsvorsitzende eröffnet die Sitzung mit den Worten: „Meine Damen, begrüßen Sie bitte herzlich Herrn Buchenau in dieser Runde. Herr Buchenau wird ab sofort das Resort „Diversity“ in unserem Verband übernehmen. Herr Buchenau ist Deutschlands erster Quotenmann, darauf ist unser Verband besonders stolz. Wünschen Sie Herrn Buchenau alles erdenklich Gute für die anspruchsvolle Aufgabe.“ Alleine an der Aussprache und der Betonung merke ich, das kam nicht von Herzen. Da sitze ich nun und bin Deutschlands erster Quotenmann und das ausgerechnet in einem Verband für Frauenpower in Vorstandsetagen.

Noch ist der Quotenmann eine Zukunftsvision. Mit Sicherheit wird es aber in absehbarer Zukunft Quotenmänner geben, genauso wie es Quoten für Migration, Inklusion und Integration geben wird. Regeln, Richtlinien, Normen oder auch Quoten gehören doch zum Naturell der deutschsprachigen Gesellschaft. Ich kann das Quotengedöns nicht mehr hören, denn ich war noch nie ein Freund von Regeln, Richtlinien und Normen. Diese beschneiden uns in unserer persönlichen Entwicklung, in unserer Freiheit und Kreativität. Ja, gewiss, wir brauchen gewisse Regeln, um das soziale Leben zu sichern und auch zu stabilisieren, aber brauchen wir wirklich so viele? Muss den alles in dieser Welt geregelt, genormt oder per Gesetz bestimmt sein? Je mehr Regeln auferlegt werden, desto größer ist die Lust diese zu brechen. Denken Sie mal an Ihre Kindheit zurück. Da waren doch genau diese Tätigkeiten und Streiche interessant, welche vom Elternhaus oder dem Lehrer verboten wurden. Waren Sie immer um 22Uhr abends zu Hause, wenn Ihnen Ihre Eltern das Ausgehen bis 22 Uhr erlaubt hatten? Haben Sie nie versucht auszuloten, wie weit Sie gehen konnten, sprich wie viel Zeit Sie schinden konnten? Nein, nie versucht? Dann hatten Sie wirklich eine langweilige Kindheit.

Freiheit hat mit Verantwortung zu tun. Verantwortung kann man aber nur übernehmen, wenn man dazu befähigt ist. Und Befähigung heißt im übertragenen Sinne: „Wollen – Können – Dürfen“. So möchte ich noch einmal ganz klar meine Position verdeutlichen. Ich bin gegen die Frauenquote. Ich bin davon überzeugt, dass es in der zukünftigen Gesellschaft 5.0, die mit einer rapid zunehmenden Massenarbeitslosigkeit zu kämpfen haben wird, genügend fähige Menschen geben wird, egal ob Frau oder Mann, egal ob mit oder ohne Behinderung, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, die Führung 5.0 sinnvoll zum Wohle der Menschheit einsetzen werden. Und die neue Spezies von Führungskräfte werden nachhaltige Spuren hinterlassen und diese werden mit Sicherheit keine Quotenfrauen sein.

By | 2018-02-27T22:41:12+00:00 26. Februar 2018|Business|

About the Author:

Peter Buchenau
Peter Buchenau gilt als der Chefsache Ratgeber im deutschsprachigen Raum. Der mehrfach ausgezeichnete Führungsgeradeausdenker ist ein Mann von der Praxis für die Praxis, gibt Tipps vom Profi für Profis. Er ist Vollblutunternehmer, Redner, Autor, Kabarettist und Dozent. Er versteht es, ernste und kritische Führungsthemen so unterhaltsam und kabarettistisch zu präsentieren, dass die emotionalen Highlights und Pointen zum Erlebnis werden. Er begleitet Sie bei der Umsetzung Ihres Weges, damit Sie Spuren hinterlassen.

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